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Marktbeherschende Stellung Googles auf dem deutschen Suchmaschinenmarkt – TEIL 1

Ich google, er, sie, es googelt, warum googelt er nicht mit ihr? Google hat weltweit einen Marktanteil von über 80 % und ist im Großteil der Welt führend. Die Statistik bescheinigt der Firma in allen großen Handelsnationen Marktführer zu sein, mit Ausnahme von Russland, China und Südkorea. Doch was macht Googles Erfolg aus? Am Beispiel des deutschen Markts soll hier das „System Google“ in einer Themenreihe untersucht werden.

Teil 1:  Der Aufstieg des Suchmaschinenriesen

Im Jahr 2001 expandierte Google nach Deutschland.  Es war der perfekte Zeitpunkt für einen Einstieg in den Markt. Die Firma selbst gründete sich im Jahr  1998 auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase und hatte somit perfekte Startbedingungen. Viele kleine Unternehmen überlebten die spätere Krise nicht und der Markt stand neuen Anbietern offen. Google überlebte das Platzen der Dotcom-Blase durch Streuung der Kreditfinanzierung auf viele kleine Kreditgeber und entging so der Pleite. Auf diesem unbestellten Feld, das in Deutschland eher einer weiten Prärie glich, beschritten Page und Brin ihrer ersten unternehmerischen Gehversuche.

Die Ausgangslage in Deutschland

im Jahr 2001 waren die Platzhirsche in Deutschland AOL und Deutsche Telekom, aber auch andere unzählige Suchmaschinenanbieter kämpften um Marktanteile. Damals war natürlich für die meisten Internetnutzer die hauseigene Suchmaschine von T-Online die Suche der Wahl.  T-DSL war die schnellste verfügbare Leitung, T-Online bot als einzige Firma eine Breitbandleitung von 768kb an. Aus Verbundenheit der Kunden und mit großangelegter Werbung hielt die Telekom die Führungsposition inne. Dazu gesellte sich AOL und konnte sich durch die große Boris Becker „Bin ich schon drin oder was? “ Kampagne einen weiteren großen Marktanteil sichern. Inzwischen hat Google eine Kooperation mit T-Online geschlossen und bietet seine Suchmaschine auf deren Plattform an und AOL musste aus Kostengründen 2009 seine Dependance in Deutschland schließen. Was unterschied Google von den Mitbewerbern?

Einfachheit als Unterscheidungsmerkmal

Google war eine von vielen Suchmaschinen und doch anders. Das Design von 2001 ist identisch mit dem heutigen Aussehen. http://web.archive.org/web/20020524134843/http://www.google.de/

Über 14 Jahre hat sich hierdurch im Laufe der Zeit ein unverkennbares Branding entwickelt. Andere Anbieter von Suchmaschinen und Webportalen ändern und änderten regelmäßig ihre Plattform. Hier exemplarisch an Yahoo dargestellt.

http://web.archive.org/web/20010523060613/http://de.yahoo.com/ Mai 2001 
http://web.archive.org/web/20060523121554/http://de.yahoo.com/ Mai 2006
http://web.archive.org/web/20100520044414/http://de.yahoo.com/ Mai 2010

Yahoos Anspruch ist sicherlich weitergehend und der Mehrwert der  Seite geht weit über die reine Suche von Inhalten im Internet hinaus.  Doch eben in der  Beschränkung auf Suchanfragen liegt Googles Erfolgsrezept. Die Bedienung der Suchmaschine ist sofort für jeden User intuitiv verständlich.  Es gibt zurzeit  auf der Homepage genau zwei Möglichkeiten der Suchanfrage, die „Google-Suche „und „Auf gut Glück!“ und erst nach der ersten Suchanfrage kann die Suche spezifiziert werden. Im Gegensatz zum Konkurrenten Yahoo teasert Google keine Nachrichten auf der Homepage.  Auch andere Suchmaschinen wie Fireball oder Metager haben auf diese einfache Seitenstruktur gesetzt, doch konnten diese Anbieter zu Beginn nicht auf den elaborierten Algorithmus zurückgreifen PageRank zurückgreifen.

Mit der Zeit haben die Branchenführer T-Online und AOL, durch ihre Entscheidung Webportale aufzubauen, den Anschluss in Deutschland verloren. Auch in anderen Ländern fokussierten sich die großen Anbieter auf den Ausbau des eigenen Webportals, so dass Google auch dort sein Entwicklungspotential ausschöpfen konnte.

Durch Übernahme der Googlesuche auf den Seiten T-Onlines oder Freenet, konnte dann der eigene Marktanteil in Deutschland signifikant gesteigert werden. Dies erklärt aber noch nicht, warum sich Google gegenüber anderen kommerziellen Suchmaschinen, die es auch schon 2001 gab, durchsetzen konnte.

Die Google Invasion

Das Unternehmen versuchte nicht durch großangelegte Werbekampagnen die Platzhirsche zu verdrängen, es gelang vielmehr durch eine schleichende, feindliche Übernahme der Marktanteile in die Pole-Position.  Diese Strategie dürfte wahrscheinlich auf die Erfahrungen , die Page und Brin in der in der Dot-Com Krise machten, zurückzuführen sein. Zu dieser Zeit setzten die Firmengründer auf eine risikoscheue Strategie der Kreditverteilung. Die Unabhängigkeit von einem großen Kreditgeber sicherte dem Unternehmen wohl das Überleben. Die nachhaltige Strategie der Firma wird durch den  gleichmäßige Anstieg des Umsatzes seit 2002 bestätigt.  http://de.statista.com/statistik/daten/studie/74364/umfrage/umsatz-von-google-seit-2002/

Der Umsatzanteil der einzelnen Kanäle blieb in der Zeit von 2002-2014 relativ stabil und pendelte bei generierten Umsätzen aus Werbeeinnahmen  bei 60-70 % (mit Ausnahme von 2003 und 2004). Die Gesamteinnahmen aus den Webseiten des Googlenetzwerks gingen prozentual von durchschnittlich 40% auf 20% Prozent zurück. Diese Entwicklung überrascht, da in diese Zeit auch die Übernahme von Youtube fällt. Allerdings dürften die Werbeeinnahmen demnach in den letzten Jahren noch stärker gewachsen sein. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/76453/umfrage/umsatzanteile-von-google-seit-2001-nach-einnahmequelle/

Laut der Statistiken achtete Google darauf nicht zu schnell zu expandieren, sondern nachhaltig zu wirtschaften. 

Fazit

Page und Brin fanden im Jahr 2000 ideale Bedingungen für eine Unternehmensgründung vor. Eine zukunftsträchtige, aber zu dem Zeitpunkt wirtschaftlich darbende Branche. Sie setzten auf nachhaltige Umsatzsteigerung und breitgestreute Absicherung ihres Kapitals. Außerdem ließen sie ihr Unternehmen zwar stetig wachsen, doch vermieden gleichzeitig eine zu schnelle Expansion.

Im nächsten Teil: Von PageRank bis Panda – Googles Suchalgorithmus als Garant für den Aufstieg